Anrollen. Sicher ankommen!

Kurze Wege, kleine Räder, klare Regeln

Mann mit Helm fährt auf einem E-Scooter auf einem markierten Radweg in der Innenstadt.

KI-Bild Mit einem KI-Bildgenerator erstellt. Die abgebildeten Personen sind nicht real.

Der E-Scooter füllt eine Lücke: zu weit zum Gehen, zu kurz fürs Auto. Zur Bahn, ins Büro, abends zurück – in wenigen Jahren ist aus dem Neuen ein selbstverständliches Verkehrsmittel geworden, im eigenen Keller genauso wie an der Straßenecke zum Ausleihen.

Rechtlich ist ein E-Scooter kein Spielgerät, sondern ein Kraftfahrzeug: bis 20 km/h schnell, ab 14 Jahren zu fahren, mit Allgemeiner Betriebserlaubnis und gültiger Versicherungsplakette unterwegs. Einen Führerschein braucht es nicht. Wer ein Leihfahrzeug nutzt, muss volljährig sein und sich über die App des Anbieters anmelden.

Vieles wird gerade einfacher. Mit der Novelle der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung rücken E-Scooter und Fahrrad zusammen: Ab dem 1. März 2027 gelten die Verhaltensregeln des Radverkehrs, das Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ schließt E-Scooter automatisch ein, und Nebeneinanderfahren ist erlaubt, solange niemand behindert wird.

Davor wie danach gilt dasselbe wie für jedes Fahrzeug: Wer weiß, wie das Gerät reagiert, wo es hingehört und was vor dem Losfahren einen Blick wert ist, kommt entspannter an.

Risiken

Drei Faktoren, keine Rangordnung

Wenn etwas schiefgeht, wirken fast immer drei Faktoren zusammen – der Mensch, die Technik und die Umwelt. Keiner davon ist nebensächlich, deshalb stehen sie hier gleichberechtigt nebeneinander.

Faktor Mensch

Säule 1

Faktor Mensch

Aufmerksamkeit, Verhalten, Reaktionsfähigkeit.

  • Der Antritt überrascht: Ein E-Scooter beschleunigt kräftiger, als sein Tempo vermuten lässt.
  • Die Balance kommt aus Körperhaltung und Gewichtsverlagerung – beides ist anfangs ungewohnt.
  • Handy in der Hand oder laute Musik im Ohr: Der Blick bleibt, die Aufmerksamkeit geht.
  • Nach einem Abend in Gesellschaft gelten dieselben Promillegrenzen wie am Steuer eines Autos.
Mehr zum Faktor Mensch

Ein E-Scooter wird im Stehen gefahren, auf einer schmalen Fläche, mit kleinen Rädern und kräftigem Antritt. Diese Kombination gibt es sonst im Straßenverkehr kaum, und deshalb gibt es dafür auch keine Routine, auf die sich zurückgreifen ließe. Die ersten Meter fühlen sich vertraut an, weil sie leicht sind. Anspruchsvoll wird es erst dort, wo gelenkt, gebremst und geschaut werden muss.

Die Balance hält der Körper, nicht der Lenker. Versetzte Füße auf dem Trittbrett geben deutlich mehr Stand als nebeneinander gestellte, und ruhige, weite Lenkbewegungen halten die Spur besser als kurze Korrekturen. Beim Anfahren hilft es, das Gewicht leicht nach vorn zu verlagern und den Gashebel sanft zu bedienen. Gebremst wird wie beim Rad – mit beiden Bremsen, nicht nur mit der vorderen.

Was hilft, ist Üben statt Vorsicht. Eine halbe Stunde auf einem ruhigen Platz schafft wichtige Fahrpraxis: anfahren, bremsen, langsam einen Bogen fahren, Schulterblick. Das Telefon vor dem Losfahren stummzuschalten ist die kleinste Maßnahme mit der größten Wirkung. Und beim Alkohol gelten dieselben Grenzen wie im Auto, unter 21 Jahren und in der Probezeit null Promille. Schieben ist an dieser Stelle die einfachere Entscheidung.

Faktor Technik

Säule 2

Faktor Technik

Wartung, Ausstattung, Verschleiß.

  • Zwei voneinander unabhängige Bremsen gehören zur Ausstattung – und beide ans Werk.
  • Licht vorn und hinten, seitliche Reflektoren und eine helltönende Klingel sind vorgeschrieben.
  • Die Versicherungsplakette wechselt jedes Jahr die Farbe und gehört gut sichtbar ans Heck.
  • Tuning beendet Betriebserlaubnis und Versicherungsschutz – 20 km/h sind die Bauartgrenze.
Mehr zum Faktor Technik

Ein E-Scooter ist erst dann vollständig, wenn die vorgeschriebene Ausstattung sitzt: Allgemeine Betriebserlaubnis, zwei voneinander unabhängige Bremsen, Scheinwerfer und weißer Frontstrahler vorn, Rücklicht und roter Rückstrahler hinten, Reflektoren an der Seite, dazu eine helltönende Klingel. Das klingt nach viel und ist im Alltag ein Rundgang von einer Minute.

Die Versicherungsplakette gerät am ehesten in Vergessenheit. Sie wechselt jedes Jahr die Farbe, und ohne gültige Plakette besteht kein Versicherungsschutz – das wiegt schwerer als jedes Bußgeld. Neu ist außerdem der Blinker: Für neu gebaute Fahrzeuge ist er ab Januar 2027 vorgeschrieben. Ältere Geräte bleiben erlaubt, dort zeigt weiterhin das Handzeichen die Richtung an.

Wovon abzuraten ist, lässt sich in einem Satz sagen: Wer die bauartbedingten 20 km/h überschreitet oder an Bremsen und Licht manipuliert, verliert Betriebserlaubnis und Versicherungsschutz in einem Zug. Der umgekehrte Weg lohnt sich mehr – Bremsen und Reifen einmal im Monat ansehen, den Akku bei Zimmertemperatur laden, Lenkervorbau und Faltgelenk auf festen Sitz prüfen. Kleine Räder verzeihen wenig, gepflegte Technik dafür umso mehr.

Faktor Umwelt

Säule 3

Faktor Umwelt

Wegzustand, Witterung, Verkehrsumgebung.

  • Wo ein Radweg vorhanden ist, gehört der E-Scooter dorthin – Gehwege bleiben frei.
  • Schienen, Schlaglöcher und Bordsteinkanten fangen kleine Räder, wo größere hinwegrollen.
  • Der tote Winkel an der Kreuzung und die Autotür am Fahrbahnrand: zwei alte Bekannte.
  • Im Dunkeln entscheidet die Kleidung mit, ab welcher Entfernung jemand sichtbar wird.
Mehr zum Faktor Umwelt

Die Regel ist einfacher, als sie wirkt: Erlaubt sind Radwege, Radfahrstreifen und Fahrradstraßen, und wo kein Radweg vorhanden ist, die Fahrbahn. Gehwege, Fußgängerzonen und Parkanlagen ohne Radweg bleiben frei; eine Ausnahme macht nur das Zusatzzeichen „Elektrokleinstfahrzeuge frei“. Ab dem 1. März 2027 fällt diese Sonderrolle weg – dann gilt das Sinnbild „Radverkehr“ auch für E-Scooter, und erlaubt ist, wo Fahrräder erlaubt sind.

Auf dem Radweg zählt Rücksicht in beide Richtungen: das Tempo an den Radverkehr anpassen und schnelleren Rädern das Überholen ermöglichen. Auf gemeinsamen Geh- und Radwegen haben zu Fuß Gehende Vorrang, dort bestimmt ihr Tempo das eigene. Die kleinen Räder machen außerdem den Untergrund wichtiger als beim Rad: Was längs zur Fahrtrichtung liegt – Schiene, Fuge, Gullyrand – lenkt mit.

Sichtbarkeit bietet das beste Verhältnis von Aufwand und Wirkung. Neben einer ausreichenden Beleuchtung ist helle, besser noch reflektierende Kleidung empfehlenswert. Vor Kreuzungen ist es hilfreich, aus dem toten Winkel herauszubleiben und eher mittig als am äußersten Rand zu fahren.

Die drei Faktoren treten selten einzeln auf. Der Blick zum Boden verengt den Überblick – und ausgerechnet dort, wo das Pflaster uneben ist, wird er am längsten gebraucht. Eine nachlassende Bremse fällt erst auf nassem Kopfsteinpflaster auf. Trotzdem hilft jede einzelne Verbesserung: ein nachgestellter Bremszug, eine geübte Route, ein paar Minuten Training am Tag – all das senkt das Risiko.“

Experteninterview

Nachgefragt

Simon M. Höhner

„Gute Radwege sind gleichzeitig gute E-Scooter-Infrastruktur.“

Simon M. Höhner
Geschäftsführer Verkehrswacht Düsseldorf und Vorstandsmitglied der Landesverkehrswacht Nordrhein-Westfalen

Interview lesen →

Prävention

Vor dem Start, unterwegs, am Ziel

Sicherheit im Ernstfall braucht Vorbereitung. Drei Zeitpunkte, an denen sich mit wenig Aufwand viel erreichen lässt.

01

Vor der Fahrt

Selbst- und Gerätecheck

  • Beide Bremsen einzeln ziehen und den Scooter dabei anschieben – er darf nicht weiterrollen.
  • Licht vorn und hinten einschalten, Klingel probieren, Reflektoren von Schmutz befreien.
  • Plakette auf das laufende Versicherungsjahr ansehen, Lenkervorbau und Faltgelenk festziehen.
  • Helm aufsetzen: zwei Finger über der Augenbraue, die Riemen bilden ein V unter dem Ohr.
Warum das zählt

Zwei voneinander unabhängige Bremsen sind vorgeschrieben, weil eine allein nicht genügt. Geprüft werden sie deshalb auch einzeln: jeden Hebel ziehen, den Scooter dabei anschieben, auf den Druckpunkt achten. Wandert er weiter als früher, gehört der Zug nachgestellt.

Licht und Klingel sind kein Zubehör, sondern Pflichtausstattung – Scheinwerfer und weißer Frontstrahler vorn, Rücklicht und roter Rückstrahler hinten, Reflektoren an der Seite. Verschmutzte Reflektoren wirken kaum noch, ein Wisch genügt meist.

Die Versicherungsplakette wechselt jährlich die Farbe. Ohne gültige Plakette besteht kein Versicherungsschutz, und das wiegt schwerer als jedes Bußgeld. Am Lenkervorbau und am Faltgelenk lohnt derselbe Griff: kurz auf festen Sitz prüfen.

Ein Helm ist beim E-Scooter nicht vorgeschrieben und schützt trotzdem genau dort am zuverlässigsten, wo es am meisten zählt. Entscheidend ist der Sitz: zwei Finger Abstand über der Augenbraue, die Seitenriemen als V unter dem Ohr, der Kinnriemen straff. Was beim Kopfschütteln verrutscht, sitzt zu locker.

02

Unterwegs

Verhalten und Umgebung

  • Auf Radweg oder Fahrbahn bleiben – Gehwege und Fußgängerzonen gehören den zu Fuß Gehenden.
  • Füße versetzt auf das Trittbrett stellen, das gibt spürbar mehr Stand.
  • Abbiegen früh anzeigen, mit Blinker oder Handzeichen, danach der Schulterblick.
  • Abstand zu parkenden Autos: eine Türbreite. Vor der Kurve bremsen, nicht in ihr.
Warum das zählt

Wo ein Radweg vorhanden ist, gilt er auch für E-Scooter; ohne Radweg ist die Fahrbahn richtig. Auf dem Radweg zählt Rücksicht auf schnelleren Radverkehr, auf gemeinsamen Geh- und Radwegen haben zu Fuß Gehende Vorrang und geben das Tempo vor. Ab März 2027 schließt zusätzlich das Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ E-Scooter automatisch mit ein.

Versetzte Füße vergrößern die Standfläche in Fahrtrichtung – genau dort, wo beim Bremsen und beim Überfahren einer Kante das Gleichgewicht arbeitet. Nebeneinander gestellte Füße geben seitlich Halt, nach vorn und hinten dagegen kaum.

Richtungswechsel gehören angezeigt, mit Blinker oder Handzeichen. Der Schulterblick danach ist der wichtigere Teil, denn er zeigt, ob jemand schon neben dem eigenen Scooter fährt. Und ein E-Scooter ist für eine Person gebaut: Mitfahren, Anhänger und das Dranhängen an andere Fahrzeuge sind nicht vorgesehen.

Eine Türbreite Abstand kostet einen halben Meter und erspart die häufigste Kollision im Stadtverkehr. Vor der Kurve zu bremsen statt in ihr hält die kleinen Räder in der Spur; auf Nässe, Laub und Rollsplitt verlängert sich der Weg bis zum Stillstand spürbar.

03

Nach der Fahrt

Abstellen und Wartung

  • Am Gehwegrand oder auf ausgewiesenen Flächen abstellen, nie quer im Weg.
  • Einfahrten, Rampen und fremde Grundstücke frei lassen; bei Leihgeräten die Karte in der App nutzen.
  • Nach Nässe abtrocknen, besonders Bremshebel, Züge und Faltgelenk.
  • Akku bei Zimmertemperatur laden, Bremsen und Reifen monatlich ansehen.
Warum das zählt

Ein liegender oder quer stehender Scooter ist für viele ein echtes Hindernis – für Menschen mit Sehbehinderung, mit Rollator, mit Kinderwagen oder Rollstuhl. Abgestellt wird deshalb am Gehwegrand oder auf ausgewiesenen Flächen, mit freiem Durchgang. Ab März 2027 gelten dafür dieselben Vorschriften wie für Fahrräder.

Bei Leihfahrzeugen zeigt die App die freigegebenen Zonen und die Sharing-Stationen. Das ist nicht nur eine Frage der Rücksicht: Die Anbieter berechnen für falsches Abstellen und für Fahrten außerhalb der erlaubten Zonen eigene Gebühren, unabhängig von allem, was die Straßenverkehrsordnung vorsieht.

Feuchtigkeit setzt sich in Bremszügen und im Faltgelenk fest. Der Zug läuft dann schwerer, die Bremse greift später, und im Winter friert das Gelenk im ungünstigsten Moment ein. Abtrocknen dauert eine Minute.

Der Akku hält am längsten bei Zimmertemperatur und mittlerem Ladestand; Laden in der prallen Sonne oder im kalten Keller kostet Kapazität. Bremsen, Reifen und Schrauben vertragen einen monatlichen Blick – und einmal im Jahr eine Durchsicht im Fachgeschäft.

Absicherung

Gut abgesichert unterwegs

Zur Mobilität gehört ein Netz, das trägt, falls doch etwas passiert. Die Unfallversicherung greift rund um die Uhr – im Verkehr, im Verein, zu Hause. Neu ist der Teil davor: Ein Präventionsbudget beteiligt sich an dem, was einen Unfall von vornherein unwahrscheinlicher macht.

Finanzielle Hilfe - Auffangen

Finanzielle Sicherheit nach einem Unfall mit starken Kernleistungen, damit Sie Ihren Lebensstandard bestmöglich erhalten können.

Rehabilitation – Unterstützen und Bewegen

Bestmögliche Wiederherstellung der Gesundheit nach einem Unfall, damit Sie möglichst schnell wieder fit werden.

Prävention – Schützen und Vorbeugen

Unfällen mit dem Sicherheitsbudget aktiv vorbeugen, damit es im besten Fall erst gar nicht zum Unfall kommt.

Das große Mobilitäts-Quiz
10 Fragen, 5 Minuten: Wissen rund um Rad, Rollator und E-Scooter testen.

Einfach los. Aber sicher!

Die Initiative für sichere Mobilität in jedem Alter – mit Rad, E-Scooter oder Rollator.
Von der SIGNAL IDUNA Gruppe initiiert, setzt sie auf Bewegungsfreude statt Warnschilder: Sie bietet verständliches Wissen, Experteninterviews, Quiz-Module und Unfallprävention.

Eine Initiative von

  • SIGNAL IDUNA
  • Pressedienst-Fahrrad
  • Mobil mit Rollator – SALJOL
  • Düsseldorfer Verkehrswacht