Fabian Schneider
Unterschätzt wird selten die medizinische Verletzung selbst, sondern fast immer der Alltag danach.
1. Herr Schneider, Ihre Initiative „Einfach los. Aber sicher!“ rückt die sichere Mobilität in den Fokus. Ein häufiges Missverständnis betrifft die Absicherung im Alltag: Rund 75 Prozent aller Unfälle passieren in der Freizeit, wo die gesetzliche Unfallversicherung nicht greift. Können Sie uns erklären, wo genau die Grenze verläuft und warum eine private Absicherung so essenziell ist?
Das ist in der Tat das hartnäckigste Missverständnis, dem wir in der Praxis begegnen: Viele Menschen wiegen sich in einer falschen Sicherheit und glauben, rundum geschützt zu sein. Die gesetzliche Unfallversicherung zieht jedoch eine scharfe Grenze: Sie leistet ausschließlich bei Unfällen während der Arbeit, in der Schule oder auf dem direkten Hin- und Rückweg.
Sobald wir die Haustür für private Erledigungen, den Sport oder das Hobby öffnen, befinden wir uns im ungeschützten Raum. Wenn Sie am Wochenende vom Fahrrad stürzen oder beim Fensterputzen von der Leiter fallen, greift die gesetzliche Unfallversicherung für die Unfallfolgen nicht. Die Krankenversicherung übernimmt zwar die medizinische Versorgung - die oft erheblichen finanziellen Folgekosten wie Wohnungsumbauten, Verdienstausfälle oder spezialisierte Therapien tragen Sie jedoch häufig selbst. Mit einer privaten Unfallversicherung kann diese Lücke geschlossen werden.
2. Die Kampagne thematisiert auch moderne Fortbewegungsmittel wie E-Scooter. Statistiken zeigen, dass dabei viele schwere Verletzungen ohne Fremdeinwirkung passieren. Das gesetzlich vorgeschriebene Versicherungskennzeichen deckt aber nur Schäden Dritter. Wer trägt die oft erheblichen finanziellen Folgen, wenn man allein verunglückt?
E-Scooter haben sich als fester Bestandteil der urbanen Mobilität etabliert, bringen aber auch völlig neue Risiken mit sich. Das kleine Versicherungskennzeichen am E-Scooter ist eine reine Kfz-Haftpflichtversicherung.
Das bedeutet: Sie schützt Sie vor den finanziellen Forderungen anderer, wenn Sie jemanden anfahren. Verunglücken Sie jedoch – wie es fast der Hälfte der Betroffenen passiert – ganz ohne fremdes Zutun, etwa durch eine Bodenwelle oder nasses Laub, stehen Sie finanziell komplett alleine da.
Genau hier greift unsere private Unfallversicherung. Sie fängt die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen eines solchen Alleinunfalls auf, zahlt beispielsweise Gipsgeld für Knochenbrüche oder eine Invaliditätsleistung bei dauerhaften Beeinträchtigungen.
Weil uns Sicherheit am Herzen liegt, belohnen wir verantwortungsvolles Fahren übrigens aktiv: Wer mit Helm verunglückt, erhält bei uns im Ernstfall über den Helmbonus bis zu 10 Prozent mehr Invaliditätsleistung.
3. Ihre Initiative richtet sich an Menschen jeden Alters. Gerade für Senioren kann ein Sturz weitreichende Konsequenzen haben – ein gebrochenes Handgelenk ist mit fortschreitendem Alter oft mehr als nur ein Gipsarm. Welche Folgen eines solchen Unfalls werden von Betroffenen und ihren Angehörigen am häufigsten unterschätzt?
Unterschätzt wird selten die medizinische Verletzung selbst, sondern fast immer der Alltag danach. Der Knochenbruch verheilt in der Regel wieder, aber plötzlich stehen ganz praktische Fragen im Raum: Wer kümmert sich um den Haushalt und den Einkauf? Wer organisiert und begleitet die Fahrten zur Rehabilitation? Und wie lässt sich die eigene Wohnung dauerhaft barrierefrei gestalten?
Das sind keine medizinischen, sondern rein organisatorische und finanzielle Herausforderungen, von denen einige kurzfristig zu lösen sind. Moderner Unfallschutz darf sich deshalb nicht auf eine reine Geldzahlung beschränken. Er muss als echter Alltagshelfer fungieren: mit professionellem Reha-Management, der Vermittlung von Haushaltshilfen oder der Beratung für den barrierefreien Umbau. Am Ende entscheidet schließlich nicht nur wie schnell eine Leistung überwiesen wird, sondern wie schnell ein Mensch wieder in sein gewohntes, selbstbestimmtes Leben zurückfindet.
4. Herr Schneider, was ändert sich beim Unfallschutz im Laufe des Lebens und auf welche Details sollte man achten?
Mit den Jahren verschiebt sich das Schutzbedürfnis grundlegend: Während im Berufsleben die Absicherung des Einkommens im Vordergrund steht, geht es im Ruhestand vor allem um den Erhalt der eigenen Selbstständigkeit. Themen wie Pflegebedürftigkeit, die Bewältigung des Haushalts und ein barrierefreies Wohnumfeld rücken dann in den Mittelpunkt.
Darüber hinaus sollte auch man darauf achten, dass auch Versicherungsschutz für Unfälle durch Ohnmacht, Schwindelanfall sowie Herzinfarkt und Schlaganfall besteht. Denn diese Bewusstseinsstörungen werden im Marktstandard häufig vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Ein moderner, leistungsstarker Schutz muss diese Lücke unbedingt schließen und auch bei solchen medizinischen Auslösern greifen.5. Ein schwerer Unfall ist für Betroffene und deren Familien immer eine große Herausforderung. Wie sprechen Sie dieses sensible Thema bei Kunden an und welche Rolle spielt die Prävention?
Ein schwerer Unfall ist in der Tat ein tiefgreifender Einschnitt im Leben eines Menschen, daher liegt mir dieses sensible Thema besonders am Herzen.
Bei der Ansprache des Themas Unfall verzichten wir bewusst auf bloße Angstmache. Stattdessen führen wir partnerschaftliche Gespräche auf Augenhöhe. Unser Ziel ist es, Kundinnen und Kunden für die realen Risiken im Alltag zu sensibilisieren – denn rund 75 Prozent aller Unfälle passieren in der Freizeit, wie z. B. beim Sport. Dort greift die gesetzliche Unfallversicherung schlichtweg nicht. Wir sprechen nicht über abstrakte Schreckensszenarien, sondern über konkrete Lösungen, den Erhalt der finanziellen Unabhängigkeit und die Sicherung der Lebensqualität.
Die Vermeidung von Unfällen ist für uns genauso wichtig wie die Hilfe danach. Deshalb haben wir zu Beginn des Jahres 2026 unser Tarifwerk in der Einzel-Unfallversicherung grundlegend überarbeitet und die Prävention als dritten, gleichwertigen Baustein neben finanzieller Absicherung und Rehabilitation verankert.
Mit unserem neuen Sicherheitsbudget belohnen wir aktive Vorsorge. Ob Fahrradhelm, Protektoren, Schutzbrille, Erste-Hilfe-Kurs oder Fahrsicherheitstraining – wir erstatten jeder versicherten Person bis zu 30 € pro Jahr für präventive Maßnahmen.
Unser Ziel bei der SIGNAL IDUNA Gruppe ist es, uns vom reinen Schadenregulierer zu einem proaktiven Lebens- und Sicherheitsbegleiter zu entwickeln, der Unfälle bereits im Vorfeld aktiv verhindern hilft und im Ernstfall lückenlos unterstützt.

Fabian Schneider, geboren 1987 in Friedrichshafen, studierte Wirtschaftswissenschaften und arbeitete von 2011 bis 2018 als Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group, verantwortlich für Transformationsprojekte bei führenden Versicherungsunternehmen. Während dieser Zeit erwarb er einen Master of Business Administration (MBA) in Hong Kong und London. Ab 2018 war er Senior Manager bei der ZURICH Insurance Group. Von 2019 bis 2024 verantwortete Fabian Schneider als Bereichsleiter das Kraftfahrt-Versicherungsgeschäft der AXA Konzern AG. Zudem war er ab 2022 Vorstandsvorsitzender der AXA easy Versicherung AG. Seit Juli 2024 ist Fabian Schneider als Mitglied des Vorstandes der SIGNAL IDUNA Gruppe verantwortlich für das Komposit-Ressort sowie die ausländischen Erstversicherer.
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